Roadbookfahren in Andalusien - Almeria-Tour mit MSA-Schilcher ( Februar 2002)Nach zwei Roadbook-Touren mit MSA in Ungarn soll nun endlich eine Tour in Spanien folgen. Der alte
Ralley-Fuchs, Norbert Schilcher, holt uns mit seinen bewährten Tourguides nachmittags am Flugplatz Almeria ab. Die südlichste Provinz Spaniens, Andalusien, erreicht man bequem in ca. 3 – 4 Stunden. Die von MSA transportierten Motorräder stehen schon in der hoteleigenen Tiefgarage für ihre erwartungsvollen Fahrer bereit. Einige bevorzugen jedoch trotz 25 Stunden-Fahrt die individuelle Anreise mit Auto und Anhänger. Dem Winter entflohen starten wir am nächsten Morgen bei herrlichem
Frühlingswetter zur ersten einfachen Tagesetappe über ca. 150 km. Doch vorher noch ein kurzes Briefing mit Roadbook-Einweisung. Der Schwierigkeitsgrad ist auch für normal geübte Enduristen kein Problem. Ein früher Sturz von Sepp, dem BMW-Fahrer, zeigt, dass man auch bei einer Roadbook-Tour ständig wachsam und konzentriert sein sollte. Alleine bleibt aber keiner, auch wenn mal so ein
kleiner Zwischenfall passiert, denn Karl-Heinz, die gute Seele vom MSA-Team fährt ständig als Letzter mit Werkzeug, Flickzeug und guten Ratschlägen hinterher. Der 2. Tag führt uns das erste Mal in dieser Woche in die umliegenden Berge. Durch ausgetrocknete Flussbetten und Serpentinenwege kommen wir in die Bergregionen, wo seit einigen Jahren wieder aktiv aufgeforstet wird. Teilweise
zeugen noch kahle Gipfel vom Kahlschlag aus der Zeit in denen die spanische Armada die Weltmeere beherrschte. Zwischendurch gibt es einen Tankstopp und in den entlegenen Bergdörfern Gelegenheit für eine Erfrischung oder für die besonders Hungrigen eine deftige Mahlzeit. Ohne Zeitstress kann jeder sein eigenes Tempo fahren und sich den Tag einteilen. Nach ca. 200 km kehren wir in unser Basishotel zurück, nicht ohne noch ein paar Runden auf der nahegelegenen Cross-Strecke zu drehen. Alle
merken schnell, dass die Fahrstrecken an allen Tagen mit sehr viel Liebe zum Endurofahren ausgewählt wurden. Oft bleiben wir an sehr schönen Plätzen stehen, um den fantastischen Ausblick auf Andalusiens Berge und Täler zu genießen. Als Höhepunkt der Woche fahren wir direkt über mehrere bis 2500 Meter hohe Berge nach Laujahr de Andarax, wo wir für 2 Nächte in einer wunderschönen
Hotel-Anlage mit gemütlichen Appartements und Pool verweilen. Ein Begleitfahrzeug mit Gepäck, Reifen und Werkzeug ist bereits eingetroffen und erwartet uns für den abendlichen Bike-Service. Viel gibt es jedoch nicht zu tun und wir begeben uns an die Bar, um die Erlebnisse auszutauschen. Hierbei lernt man dann als Norddeutscher nebenbei das Schwäbische und die Bayern üben sich im Berlinern. Die Truppe ist nun in Erwartung auf den nächsten Tag. Kann das etwa noch besser werden? Es kann! Auf der ehemaligen Dakar-Sonderprüfung finden wir den Einstieg in die Berge. Insgesamt 250 km fahren wir bis an die Schneegrenze auf Wegen, die wie für uns zum Endurofahren gemacht worden scheinen. Wir verfahren uns einmal kurz, finden schnell wieder den richtigen
Abzweig dank eines freundlichen Spaniers. Zwischen zwei Bergetappen gibt es dann Abfahrten auf schmalen Asphaltstraßen, auf denen wir die Haftgrenze der Enduroreifen ausloten. Tiefsandige Flussbetten in atemberaubenden Canyons lassen Vergleiche mit afrikanischen Ralleys zu. Bei den täglichen Eselspfaden und langen steinigen Auffahrten kommen wir dann schon mal ins Schwitzen. Abends
gibt es für die Motorräder einen kleinen Service und für die Fahrer ein deftiges spanisches Mahl. Wir kommen erst früh ins Bett, denn Reinhold hat Geburtstag und alle was zu feiern. Zurück nach Almeria fahren wir entlang gewaltiger Brandschneisen, die die zarte Vegetation im Ernstfall schützen sollen. Hier ist wieder besondere Vorsicht geboten, da die steinigen Wege einige Gefahren
bergen. Aber außer einem Plattfuß, der mit Kameradenhilfe schnell behoben ist, gibt es keine Verluste. Ein weiteres Highlight erleben wir in einem Canyon, wo wir die Motorräder im Wasserlauf um riesige Steinblöcke zirkeln und heben müssen. Nach ca. 220 km kommen wir ins Hotel zurück. Der letzte Tag über 160 km ist noch mal zur Entspannung. Feldwege, Tiefsandfahren am Strand und im
Flussbett oder auch Cross-Training unter fachkundiger Anleitung stehen auf dem Programm. Jeder gestaltet diesen letzten Tag wie er mag. Abends gibt es eine Riesen-Paella und zum Abschied ein MSA-T-Shirt. Alle sind sich einig. Es war eine fantastische Tour mit toller Streckenführung, sehr guten Unterkünften, super Service, interessanten Leuten und wir vereinbaren, dass wir alle zusammen noch mal wiederkommen. Nach einem ausgiebigen Frühstück bringt uns Norbert leicht verkatert zum Flugplatz. Bis zum nächsten Mal in Andalusien. Michael Zander |