2005 Marokkotour Norbert und Martin
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Berichte

   Kurzbericht zur Marokkoreise im Februar 2005

(Norbert Schilcher und Martin Zürcher)

 

In San Jose bei Marie und Ralf stellen wir unseren Transporter ab und dann geht’s los mit unseren Ex-Dakar-Maschinen (KTM 660). Mit Gepäckträger, Packsack, Tankrucksack und Rucksack bewaffnet donnern wir zum Hafen nach Almeria.

06.02.2005 Nador – Guercif 235 km

Nach einer relativ ruhigen Nacht auf der Fähre erreichen wir Nador in Marokko am frühen Morgen. Afrika wir kommen. Die Formalitäten am Zoll benötigen ca. 1,5 Std. Die Bank ist allerdings geschlossen, doch es gibt immer Wege sein Geld zu tauschen. Außerdem sind hier Geldautomaten. Und diese funktionieren sogar.
Wir nehmen am Anfang kleine Teerstraßen, am Ende Schotterpisten. Mit Gepäck ist das Fahren etwas anders. Und das Auf – und Absteigen ist mit der Gepäckrolle und den Satteltaschen eine Herausforderung. Ich verwende nun die Technik von Gaston Rahier: Losfahren mit einem Fuß auf der Raste und dann erst den anderen Fuß über das Motorrad heben. Beim Anhalten in umgekehrter Reihenfolge.
Die Motorräder laufen gut. Ich verliere zwar etwas Wasser am Zylinderkopf unter dem Thermostat. Aber das hält sich in Grenzen.
Martin hat sich heute in Oel gebadet ! Die Oel-Reserveflasche ging auf. (Eine Trinkflasche !) Das Hotel ist nicht gut; Wasser eiskalt und das WC geht nicht. Aber nur 10 € fürs Doppelzimmer. Abendessen in einem kleinen schmudeligen Restaurant. Wir essen das einzige im Grill verbliebene Hähnchen (Flattermann). Wie lange dieser dort bereits schmorte war nicht zu erfahren. Jedenfalls war er ziemlich durch. Wir müssen uns warme Gedanken machen, denn es ist einfach unverhältnismäßig kalt. Und das auch im Hotelzimmer ( Plasterboden). Mit dem Fön versuchen wir etwas Wärme zu produzieren. Geradezu ideal sind nun bereits in der ersten Nacht unsere Schlafsäcke. 
Wir waren heute auf ca. 1200 m. Höhe. Dort war es richtig kalt. Wir haben gefroren, obwohl die Sonne lachte. Ich bin wieder in Africa und es ist einfach alles anders. Einfach afrikanisch. Die Menschen, die Autos, die Straßen, die Restaurants, die Hotels und vor allem die Sanitäranlagen, wenn vorhanden.

07.02.2005 Guercif – Missour 290 km

Es ist wieder sehr kalt. Wir fahren Richtung Osten und dann nach Süden. Erst geht es auf 1500 m Höhe. Dort rutschen wir durch Schnee und Eis. Wir suchen die Piste Richtung Süden, aber wir brechen nach 170 km ab. Rein nach Kompasskurs ist es mit Gepäck doch etwas heikel. Mittagessen in Quatat Qulad-El Haj an der Tankstelle. Dort gibt es Taschin. Diese marokkanische Spezialität gibt es im ganzen Land in vielen Variationen. Es schmeckt sehr gut. Dann weiter auf der Straße nach Missouri. Dort treffen wir wieder unsere deutschen Kollegen aus Ulm. Es sind die Veranstalter der Tuareg Rallye.  Reiner Autenrieth, Alex, Eddy, Pappa Autenrieth. Wir sitzen zusammen und verbringen einen netten Abend im Hotel.

08.02.2005 Missouri – Erfoud 310 km

Am Morgen ist es wieder sehr kalt und es regnet. Wir starten gegen 10°° Uhr von Missouri in Süd-Östlicher Richtung. Talsinnt ist unser Ziel. Wir verpassen allerdings den Abzweig zur Piste. Dach so entdecken wir eine wunderschöne Strecke. Um so weiter wir in die Berge kommen um so mehr wird es kalt. Über Agdal (toll) soll die Piste über die Berge nach Talsinnt führen. Wir fahren jedoch wieder westlich um die große Piste, bzw. Straße zu finden.  Martin verliert komplett die Orientierung. Er glaubt wir sind bereits südlich.  Wir finden die Straße die auf 1500 m. Höhe ist. Schnee und es schneit kräftig. Talsinnt ist ein toller Ort mit viel Leben.  Cafes und der Markt. Auf dem Gehsteig wird ein Schaf geschlachtet. Wir halten nur kurz, denn es ist sau kalt. Ab B.-Tajjite nehmen wir eine schöne wellige Piste Richtung Boudnib. Auf dem steinigen Paß „Col de Balkassem“ machen wir Mittagspause.  Ein super schöner Platz dafür. Vor Boudnib suchen wir die Piste nach Erfoud. Schwarze Wolken hängen am Himmel und Martin hat Durchfall.  30 km vor Erfoud stoppen wir bei einer einheimischen Familie , 11 Kinder mit Zelten und ein kleines Steinhaus in der Steinwüste. Wir trinken Tee, haben Freude. Ich kaufe „Speerspitzen“.  War Klasse !! Es bringt zum Nachdenken.

An Martins KTM ist der Strom weg. Kein Licht.  Um nicht in die Dunkelheit zu geraten, geben wir nun etwas Gas. Die Piste ist sehr ausgefahren. Die Dakar ist hier schon mehrmals gefahren. Es macht richtig Spaß mit der KTM 660.  Auch mit Gepäck geht es gut. Nur in den tiefen Wellen muss ich aufpassen. Gegen 18:30 Uhr sind wir im wunderschönen Hotel „Xaluca“ von Erfoud. Ein gigantisches Hotel wie eine Festung in der Wüste. Tolles Zimmer, Heizung und warme Dusche. Am Abend Büffet und Bier.

09.02.2005 Erfoud – Erfoud 160 km

Heute haben wir lange geschlafen und schön gefrühstückt. Um 12°° Uhr sind wir dann gestartet. Heute ohne Gepäck und Satteltaschen. Von Erfoud über die Piste bis zum Erg Chebbi. Dann über Merzouga rund um den Erg. Hier sind wir dann schöne Dünen gefahren. War richtig schön. Die Dünen waren feucht, so dass es aber sehr einfach war. Mittagsrast in Merzouga. Ich habe Omlette Berber gegessen. Es war sehr gut. Die Pisten sind teilweise sehr naß. Aber kein Regen. Am Abend Dampfbad/Sauna und Jakuzzi  Ein schöner Tag !.

10.02.2005 Erfoud – Merzouga - Zagora 360 km

Erst fahren wir auf der Straße über Rissani zum Südende von Erg  Chebbi. Von dort steigen wir in die Südpiste an der algerischen Grenze nach Zagora ein. Erst viel Wind und dann Wasser auf der Piste. Wir müssen teilweise umfahren. Dann geht es aber gut vorwärts. Wir sind recht flott unterwegs. Strecke wie „Dakar“. Wir übernachten 30 km vor Zagora in einem Hotel eines Deutschen an der Düne. Spezialisiert auf Astronomen.  (Martin: „Astronauten“). Relativ teuer aber mit Heizung und Warmwasser  Für 2 Personen HP = 990,00 und Getränke – Essen nicht gut - !

11.02.2005 Zagora – Ainif  331 km

Zagora ist eine schöne Stadt. Viel Hotels, Restaurants und Cafes und „Leben“. Über das „Draa-Thal“ fahren wir nach Norden (ca. 60 km), dann nach rechts auf die 6956 und nach ca. 20 km in eine Piste Richtung Süden. Super schön. Nach einigen Orten suchen wir den Pass Richtung Süden. Wir könne ihn erst nicht finden. Doch dann ist der steinige  und kurvige Pass vor uns. Von dort dann ostwärts und dann wieder auf die Straße nach Rissani. Dann kamen wir eigentlich mehr aus versehen wieder auf eine Piste. Sie führte in unsere Richtung und so blieben wir drauf. Sie ist sehr schön, steinig, kurvig und viele Wellen. Doch wir kamen zu weit nach Süden. In dem Dorf, wo Martin vor 6 Jahren schon einmal eine Not-Übernachtung eingelegt hat, suchen wir die Piste nach Ainif (ca. 50 km). Teilweise fahren wir Off-Road quer. Bei einer Berber-Frau mit Kindern fragen wir nach dem Weg. Sie möchten uns Tee machen. Ich gebe Ihr einen 20 Diram-Schein, aber ich bin nicht sicher ob Sie Geld überhaupt kennt. Nach 40 km steiniger Piste erreichen wir um 18°° Uhr Ainif. Wir trinken Cafe und gehen in das Hotel im Ort. Kleines Zimmer – warme Dusche – Ist O.K.

12.02.2005 Ainif – Erfoud  160 km

Die Übernachtung in dem Hotel in Ainif war bis auf das Bett ganz o.k. Zumindest das Essen war sehr gut und die Dusche war warm. Aber das Bett war eine einzige Katastrophe. Ich habe sehr schlecht geschlafen und am Morgen geht es mir nicht gut. Wir frühstücken auf der Terrasse in der Sonne. Abfahrt 9°° Uhr über den Schotterpass Richtung Norden. In einem Tal mit Palmen zwischen den Felsen trinken wir Tee. Martin ist wieder mal mit dem Stuhl umgefallen.  Nach 45 km. Piste fahren wir über die Straße nach Erfound. In Tinejdad an einem schönem Platz am großen Flusslauf ( Qued) machen wir Mittagsrast. Sehr gutes Essen, „Suppe und Taschin“. Dann weiterfahrt bis zum „Xaluca“ in Erfoud. Dort ist es einfach schön. Und wir freuen uns auf das marokkanische Bier.

13.02.2005 Erfoud

Ruhetag – Besuch in Erfoud;
Heute Nacht haben wir sehr gut geschlafen.

14.02.2005 Erfoud – Missour 320 km

Aufstehen um 5:40 Uhr, Frühstück um 7°° Uhr, dann Abfahrt. Wir besuchen nochmals unseren Wüstenfreund und Berber mit den 11 Kindern. Er wartet mit dem Fernglas auf uns. Auf der Piste sind zwei Motorradspuren zu erkennen. Erst beim Berber erkenne ich, dass es unsere eigenen sind. Das ist aber bereits 5 Tage her. Viele Touristen sind also nicht auf der Piste unterwegs. Wir trinken Tee beim Berber. Er zeigt uns seine Zelte, Tiere und sein Steinhaus. Wir geben Ihm Geld. Er beschenkt uns mit fossillen Steinen. Dann fahren wir über den Pass nach Ben Tajjiet. Doch 20 km vor dem Ort knallt Martin in ein paar Wellen und die KTM erleidet Schaden. Der Unterboden-Schutz bricht komplett weg und die Schraube an der Umlenkung und ein Hebel brechen ab. Martin kann aber einen Sturz knapp vermeiden. Doch nun haben wir ein kleines Problem. Nach einer ersten Untersuchung entscheiden wir dass Martin mit der komplett eingefederten KTM langsam weiterfahren soll. Und es klappt tatsächlich. Auch wenn nach 20 km der ganze Plastikschutz durchgeschliffen ist. In Ben Tajjiet suchen wir eine Werkstatt (ein freundlicher Mann in einer gut geoelten Lederjacke) repariert Autos. Er ist sofort bereit uns zu helfen. Wir brauchen neue Umlenkhebel und die Schraube muß neu zusammengeschweißt werden. Wir fahren mit dem Mann in der oeligen Jacke zu einem LKW Schmied. Und auch dort wird uns sofort geholfen. Der Schmied baut uns zwei neue Umlenkhebel aus Flachstahl. Er leistet mit einfachsten Mitteln eine Top-Arbeit. Die Löcher werden nicht gebohrt sondern mit der Elektrode herausgebrannt und dann mit der Bohrmaschine und Rundfeile bearbeitet. Auch die Spezialschraube für die Umlenkung schweißt er professionell zusammen. Nach ca. 2 Std. Arbeit ist die KTM wieder einsatzbereit. Nur der Stoßdämpfer oelt. Aber auf der Straße geht es gut. Martin bezahlt 200 Dhr. und ich gebe dem Schmied meine Zigarillos. Wir kehren in dem kleinen Ort noch kurz ein („Taschin essen“). Dort treffen wir dann den in dieser Region sehr bekannten Deutschen „Thomas“. Er ist Agraringenieur und hat 25 km außerhalb eine kleine Farm. Er macht Exkursionen und sucht nach unerforschten Pflanzen. Mit Ihm ist auch Mohamed ein 23-jähriger junger Marokkaner. Er ist sehr sympatisch und spricht perfekt Deutsch. Er studiert Touristik. Nun ist es schon fast 17°° Uhr und wir starten zu unserem Tagesziel Missour. Wir nehmen die Asphaltstraße über Talsinnt. Und es wird wieder sehr kalt. Die letzten 30 km fahren wir in der Dunkelheit. Ich lasse das getönte Glas in der Brille. Aber das ist schlecht. Ich sehe sehr schlecht. Nachts sollte man immer auf Klarglas wechseln. Im Hotel Barudi werden wir herzlich empfangen. Abendessen , Bier und Bett !!

15.02.2005 Missour – Oujda 330 km

Alles über Asphalt, denn das Federbein von Martin ist kaputt. Aber er kann fahren.

Am Morgen frühstücken wir im Garten des Hotels in der Sonne. Mittagsrast mit einem großen gebratenen Huhn. Es ist sehr gut. In Qujda suchen wir uns ein Hotel. Das IBIS ist voll. Qujda ist eine tolle Stadt. Hier ist richtig was los. Nur Einheimische. Keine Touristen und keine Camper (wie in Erfoud). Wir besuchen den Markt. Dort gibt es alles. Der Obst – und Gemüsemarkt ist sensationell. Am Abend gehen wir in das beste Restaurant am Platz „Brusserie Restaurant de la France“

16.02.2005 Qujda – Nador 140 km

Wir frühstücken in der Stadt im Cafe „Excellent“. Dort gibt es sehr guten Cafe und Kuchen. Wir spazieren noch etwas durch die Stadt. Gegen 11:30 Uhr starten wir nach Nador. An der algerischen Grenze fahren wir bis zum Meer. Martin möchte über die Berge (bis 1500 m. Höhe). Doch es ist wieder sehr kalt und ich weigere mich. Auf Meereshöhe ist es bereits sehr kalt. So fahren wir doch am Meer entlang. Hier ist alles sehr grün. Die Bäume sind teilweise schon in der Blüte. In einem Ferienort am Meer essen wir Mittag zusammen mit 20 Katzen.
Nun sitzen wir noch in einem Restaurant in Nador und essen wieder mal Hähnchen mit Pommes. Erst sitzen wir noch in der Sonne direkt an der stark befahrenen Straße, doch dann gehen wir nach innen in den ersten Stock. Plötzlich kommt eine Gruppe junger Leute. Die Mädchen sind sehr spaßig und sie wollen unbedingt unsere Helme testen. Wir haben Spaß und machen Fotos. Aziz, der Sohn eines Fischers erzählt uns von seinen Fischfängen beim Tauchen und ladet uns fürs nächste mal ein.
Wir fahren auf die Fähre nach Almeria  und auch diesmal sind die Formalitäten kein großes Problem. Das Motorrad wird übrigens nicht in den Reispass eingetragen, sondern bekommt dafür ein separates Dokument.

Es war eine wunderschöne Reise, auch wenn es ein wenig kalt war. Martin und ich hatten jede Menge Spaß und die Motorräder haben bis auf den kleinen Zwischenfall problemlos gehalten.

Ich denke das war noch lange nicht die letzte Erkundungsreise für meine Dakar-Rallye-KTM 660 und mich. Es ist einfach super mit diesem Teil über Steine und Sand zu pflügen.

Martin plant bereits eine Tour. Dann aber tief nach Afrika. 

 

Gesamte Strecke

Sonntag  Nador – Guercif 235 km
Montag Guercif – Missour  290 km
Dienstag Missour – Erfoud 310 km
Mittwoch Erfoud – Erfoud  160 km
Donnerstag Erfoud - Zagora  361 km
Freitag  Zagora – Ainif 331 km
Samstag  Ainif – Erfoud  160 km
Sonntag  Ruhetag
Montag Erfoud – Missour 320 km
Dienstag Missour - Qujda  330 km
Mittwoch Quida – Nador  160 km
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       2.657 km

 

 

 Norbert Schilcher