Paris Dakar 1991 Teil 2
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Norbert Schilcher

Paris Dakar 1991 Teil 2

Agadez - Tillia - Gao - Tombouctou


Huck !!!! Das ist alles, was der stolze Tuareg von sich gibt und deutet mit der flachen Hand in eine Richtung.  Dort liegt die Stadt Tillia. Seit mehr als einer Stunde suche ich nach dem richtigen Weg. Plötzlich entdecke ich am Horizont eine Staubwolke. Und ich weiß genau, eine derartige Aufwirbelung an Staub kann nur von einem Rallye-Fahrzeug stammen. Gott sei Dank, ich bin auf dem richtigen Weg. 1146 Kilometer in zwei Tagen. Die Strecke führt querfeldein von Agadez bis nach Gao. Gao liegt im östlichen Teil des Staates Mali. Der dritte Wüstenstaat, den wir bei unserem Wahnsinnsrennen durchfahren.

Mitterweile sind beide Fahrzeuge, auf denen ich meine Ersatzteile deponiert habe, ausgefallen. Der VW-Synchro-Prototyp von Malzer/Kastner blieb stecken und schaffte die Sollzeit nicht und der französische Mercedez-LKW mußte in Agadez mit defektem Getriebe die Segel streichen. Nur die notwendigsten Ersatzteile für meine Dominator NX 650 sind nun auf einem russischen KAMAZ-LKW.
 Nach zwei Wochen auf dem Motorrad spüre ich nun langsam eine gewisse Leere und die ganze Härte dieser Rallye geht an die Substanz. Es wird zum Kampf gegen mich selbst. Der Spaß am Motorradfahren bleibt auf der Strecke. Speziell am 11. Januar auf dem Abschnitt Tillia - Gao muß ich meinem Unmut über die brutale Streckenbeschaffenheit mit lautstarken Schreien während der Fahrt Luft verschaffen. Ich muß Härte beweisen, denn um die restlichen 630 km noch bei Tageslicht zuschaffen, darf ich keine Minute verlieren. Und obwohl mich die Schmerzen in den Unterarmen und am Hinterteil quälen und ich vor Durst fast umkomme, halte ich nicht an. Fahren, fahren um jeden Preis heißt die Devise. Noch 100 km querfeldein, rein nach Kompaßkurs, dann muß eine Straße auftauchen.  Plötzlich steht eine riesige schwarze Rauchwolke vor meinen Augen. Der Werks-Citroen von Jacky Ickx steht in Flammen. Fahrer und Beifahrer stehen in sicherer Entfernung. Ich halte an und fotografiere dieses Schauspiel. Als ich Jacky frage, was denn passiert ist, antwortet er mir: " I don't know, it just burned." Wie ich später im Lager erfahre, waren die Stoßdämpfer in dem unwegsammen Gelände zu heiß geworden und explodiert. Dabei gelangte Oel auf den Turbolader und das Fahrzeug im Wert von ca. 500 000 DM geriet in Brand. Keine 50 km weiter das gleiche Schauspiel. Ein weiterer Citroen, jener von Börn Waldegard, steht in Flammen. Noch vor Sonnenuntergang erreiche ich Gao. Und dies allein ist der Lohn, der mich glücklich stimmt. Ich habe es wiedereinmal geschafft. Die allgemeine Stimmung in Rallyelager ist aber auf dem Tiefpunkt. Die mörderische Strecke hat ihr Tribut gefordert. Zwei Werks-Citroen sind abgebrannt . Doch ein weitaus schlimmeres Ereignis ist es, das die Verantwortlichen dazu zwingt, darüber nachzudenken, ob die Rallye überhaupt fortgeführt werden kann. Der Fahrer eines Service-Lastwagens aus dem Camel-Citroen-Team, Charles Cabane, wurde bei der Fahrt durch ein Dorf von Soldaten erschossen. Und nun wird die politische Misere in Mali langsam transparent. Die Tuaregs und die Soldaten stehen sich schon seit einiger Zeit mit kriegerischen Auseinandersetzungen gegenüber. Mehr als 1000 Tote soll es in den letzten Monaten gegeben haben.

Die Rallye wird weitergeführt entscheidet Gilbert Sabine, der Mann, der nach dem Tod seines Sohnes Thierry die Leitung der Rallye Paris-Dakar übernommen hatte. Thierry Sabine starb bei der Rallye Raris-Dakar 1986, als sein Hubschrauber bei Sandsturm an einer Düne explodierte. Auch damals wurde die Rallye fortgesetzt, so wie es Thierry Sabine in seinem Testament gefordert hatte.

Die nächste Etappe wird anulliert und in Gruppen zu je 4 Fahrern legen wir die Strecke nach Tombouctou zurück. Aber ein weiteres politisches Problem zeichnet sich ab. Vom 13. bis 16. Januar wird die Rallye in Mauretanien sein. Mauretanien hat sich mit Saddam Hussein solidarisch gezeigt und das Ultimatum der Amerikaner läuft am 15. Januar 91 aus. Wie wird sich Mauretanien verhalten, wenn es am Golf zum Krieg kommt? Viele Fahrer sind für einen Abbruch der Veranstaltung. Aber "The Show must go on".
Und so starte ich am nächsten Morgen erneut. Was bleibt mir auch schon anderes übrig? Sollte ich kurz vor dem Ziel meiner Träume aussteigen? Nein auf keinen Fall. Ich will nach Dakar!



Mauretanien


Waren in Mali die Menschen so schwarz wie die Nacht, so änderte sich das Bild in Mauretanien total. Der arabische Einfluß der Menschen tritt wieder in den Vordergrund. Und noch stärker als der Wandel der Menschentypen ist die Vielfältigkeit der Landschaften, Wege und Strecken. Vom tiefen Sand zu staubigen Pisten, Steppe, Schotterpassagen und Steinfelder. Die Stoßdämpfer schlagen unzählige Male durch und die Felgen sind nicht mehr ganz rund. Und ich selbst spüre, daß ich nur noch das Ziel herbeisehne. Nur noch 4 Tage bis Dakar. Das Ziel liegt nahe. Aber die erfahrenen Piloen warnen mich vor der letzten schwierigen Marathon-Etappe über 1000 km in Mauretanien. Nema - Tichit - Kifa . Auch in den Jahren vorher waren die Etappen in Mauretanien meistens die Hölle. Nach einem nächtlichen Sandsturm in Nema stehe ich nun zum 14. Mal an der Startlinie und der Starter klappt in gekonnter Weise seine Finger nach innen. 5-4-3-2-1-Start. Die Fahrt ins Ungewisse geht weiter. Nach 10 km gilt es einen extrem steinigen Paß zu bezwingen. Mit vollen Tanks ein sehr schwieriger Abschnitt. Und vor mir liegt plötzlich mein englischer Freund John in den Steinen. Sein rechter Mittelfußknochen ist gebrochen und das rechte Knie hatte er sich am Tag vorher bei einem bösen Sturz verdreht. Nun ist endgültig Schluß. Mit Schmerzen liegt er zwischen den Felsen. Die Dakar ´90 ist für ihn nun zu Ende. Aus ist der Traum, als erster Engländer auf dem Motorrad das Ziel zu erreichen.

Die Mauretanische Wüste hat es mir seit diesem 13.Januar angetan. Nicht im Positiven, sondern im Negativen. Ich will dort eigentlich nicht mehr hin. Die gigantischen Dünen in Libyen, das Sandmeer der Wüste Tenere, dort wird es mich eines Tages wieder hinziehen. Nicht aber nach Mauretanien. Es ist alles so unheimlich und unfreundlich, so schwer und so hinterlistig. Vielleicht liegt es an meiner Stimmungslage, daß ich mich mehrmals verfahre, im Sand stecken bleibe und meine Maschine mehr als 20mal ausgraben muß. Immer wieder bleibe ich stecken. Ganz plötzlich wird der Sand so weich wie Mehl, das Vorderrad sackt nach unten weg, und ein Überchlag nach vorne mit zweifachem Salto ist die Folge. Stundenlang schon das gleiche Spiel. Einsanden, mit den Händen den Sand wegräumen, Maschine kippen und herausziehen. Und das bei Temperaturen von ca. 40 Grad im Schatten. Nur Schatten gibt es nicht. Manchmal liege ich 5 Minuten neben der Maschine, bis ich mich wieder etwas erholt habe.Wo bin hier nur gelandet? Ein Dünenmeer, das eigentlch gar nicht so schlimm aussieht. Aber ich habe abends um 17:00 einfach keine Kraft mehr. Und vor allem, ich weiß nicht genau, wo ich bin. 180 km bis zum Nachtlager Tichit. Das Motorrad steckt im tiefen Sand und ich habe alleine keine Chance mehr. Es ist aus. Der Wahnsinn ist für mich zu Ende. So glaube ich zumindest. Ich schalte den Notsender ein und hoffe, daß in wenigstens 1 Stunde ein Helicopter des Veranstalters meine Signale aufnimmt und mich herausholt.

 

 

Allein in der Wüste

 

Es wird dunkel und ich verschiebe meine Hoffnung auf den nächsten Tag. Am Horizont beobachte ich mehrfach Lichter. Doch kein Fahrzeug kommt in meine Nähe. Im Wassertank sind noch ca. 3 Liter. Ich weiß, daß ich sehr sparsam sein muß. Mit einem kleinen Benzinschlauch gönne ich mir nur sehr selten einen kleinen Schluck von dem lebensnotwendigen Stoff. Welch ein Unterschied zu den Gewohnheiten im normalen Leben. Es artet fast zu einer Zeremonie aus. Nie habe ich vorher die elementare Wichtigkeit von Wasser so erlebt. 

Da es in der Nacht empfindlich kalt wird, bin ich um meinen Schlafsack äußerst froh. Im Sand liegend blicke ich in einen wunderbaren Sternenhimmel, doch noch viel schöner und weitaus schlimmer ist das Bild, das ständig vor meinen Augen erscheint.  Ein eisgekühltes Weißbier.
Wie schön wäre es nun zu Hause. Am nächsten Morgen bin ich wieder bei Kräften und ich kämpfe mich bis zu einem Felsenberg durch. Vom Gipfel aus lege ich die neue Marschrichtung fest. Kompaßkurs 60 °. Dort liegt die Hügelkette, an die ich mich am Tag zuvor hätte halten müssen. Doch dazwischen liegen nocheinmal ca. 20 km Sanddünen. Und wieder ist es die gleiche, heimtückische Art von Dünen, wie am Tag zuvor. Frisch aufgeweht, kurz und abgehakt, und plötzlich bodenlos tief.

Die Sonne brennt vom Himmel und wieder schaufele ich mit den Händen den Sand zur Seite. Motorrad umlegen und mit aller Kraft herausziehen.

Nachmittags um 14:00 grabe ich mir neben meiner Honda Dominator eine Mulde, um im tieferliegenen Sand etwas Kühlung zu finden. "Ob sie mich wohl suchen? Wie lange wird mein Wasser noch reichen?“ Die Gedanken um das Leben werden in dieser Situation ziemlich wesentlich. Doch irgendwie bin ich mir sicher, daß ich hier herauskommen werde. Und wieder springe ich auf, als ich das Geräusch eines Motors höre. Doch diesmal ist es nicht nur der Wind, sondern ein zweimotoriges Sportflugzeug. Ich zünde eine Leuchtrakete. Das Flugzeug kommt näher. Ich bin gerettet. An einem Fallschirm schwebt ein Paket mit Wasser und Essen herunter. Welch ein schönes Gefühl. Wasser, einfaches Wasser erfüllt mich wieder mit Leben. Auf einer Skizze hat mir einer der Piloten meinen Standort aufgezeichnet. Noch bin ich 10 Kilometer  von der Rallyeroute entfernt.

Nachts wird der "Besenwagen" kommen, steht auf dem Zettel. Der "Besenwagen" (Camion Ballai) ist ein großer Tatra-LKW von der Therrie Sabine Organisation, der alle ausgefallenen Piloten aufsammelt. Da aber der Lastwagen in das Dünenmeer, in dem ich mich befinde nicht hineinfahren kann, ist auf einer Skizze meine Marschrichtung zum vereinbarten Treffpunkt eingezeichnet. Kompaßkurs 68° .

Ein letztes Mal starte ich einen Versuch, mit dem Motorrad die Strecke zu bewältigen. Doch für eine Strecke von 200 m benötige ich mehr als eine Stunde. Ich muß mich entscheiden. Ich entschließe mich für das Wesentliche. Mein Leben. Ein letzter Gruß an meine liebgewonnene Honda Dominator und ich setzte meine Rallye Paris - Dakar zu Fuß fort. Ich spüre eine gewisse Freiheit. Der Klotz am Bein, das Motorrad, ist nun endlich weg. Nicht mehr schieben und ausgraben bis zum Umfallen.  Ich spüre in diesem Moment, daß materieller Besitz nicht zur persönlichen Freiheit führen kann. In vielen Fällen ist er sehr belastend. Vielleicht eine Erkenntnis für das Leben. Materielle Werte sind ersetztbar, nicht aber das individuelle Leben.

Das Licht meiner Stirnlampe gibt nicht mehr viel her und so marschiere ich in der Dunkelheit wie ein Blinder. Gelegentlich kontrolliere ich den Kompaßkurs. Cap 68°. In voller Motorradmontur erklimme ich die Dünen. Von einem Schritt nach vorne bleibt oft nicht viel übrig. Nach 300m ist jeweils eine Pause angesagt. Ich spüre, daß meine körperlichen Kräfte schon ziemlich am Ende sind. Auf einer Düne angekommen, sinke ich zusammen und schlafe ein.

In den frühen Morgenstunden des 16. Januars 1991 setze ich bei einem aufkommenden Sandsturm den Fußmarsch fort. Noch ist es recht kühl. Gegen 11 Uhr habe ich es geschafft. Endlich wieder fester Boden unter den Füssen. 

"Hallo, how are you? What do you want to drink? Beer, wine, cola, we have everything". Mit diese Worten empfängt mich Danny Porcher. Ein 50-jähriger Franzose, der seit 10 Jahren einen der beiden "Besenwagen“ steuert.

 


Auf dem "Lumpensammler“

 

Drei angetriebene Achsen und 360 PS hat der tschechische TATRA-LKW.

Ausgestattet ist der "Besenwagen" wie die Lastwagen im offiziellen Teilnehmerfeld. Nur auf der Ladefläche sind keine Ersatzteile. Dort sind 12 Schalensitze quer zur Fahrtrichtung montiert. Anschnallen kann man sich allerdings nicht, denn es gibt keine Gurte. All jene, die ihre Fahrzeuge wegen Unfällen oder technischer Defekte in der Wüste zurücklassen müssen, kommen in den Genuß einer Fahrt auf diesem Lastwagen. Es ist ein Erlebnis, das man nie vergessen wird. Der TATRA ist sehr hart gefedert und deshalb bin ich mehr in der Luft als in meinem Sitz. Wenn ich mir während der Fahrt den Staub aus den Augen wischen möchte, wird dies zu einem gefährlichen Unternehmen. Die Finger schön locker lassen, sonst steche ich mir selbst die Augen aus. Nach meinen zwei einsamen Nächten in der Wüste Mauretaniens bin ich jedoch glücklich, wieder unter Menschen zu sein, so daß mir diese Unannehmlichkeiten nichts mehr anhaben können. Zwei Italiener haben die Etappe von Nema nach Tichit ebenfalls nicht geschafft. Die Hinterradachse ihres Dahihatsu-Geändewagen ist gebrochen. Der Fahrer ist mit den Nerven ziemlich am Ende. Erst nach zwei Tagen bemerke ich, daß zwischen den beiden absolute Funkstille herrscht. Sie sprehen kein Wort miteinander. 10 Minuten nachdem die Italiener ihre Schalensitze bezogen haben, sind sie beide seekrank und müssen sich übergeben.

 

17. Januar 1991:

Die Rallye ist in Dakar und über einen letzten Funkspruch erfahren wir, daß am Golf der Krieg ausgebrochen ist. Wir sind immer noch in dem Land, das sich auf die Seite von Saddam Hussein gestellt hat, Mauretanien. Ich habe ein ziemlich ungutes Gefühl. In den Ortschaften wird unser LKW mit Steinen beworfen. Die Scheiben sind bereits gesprungen. Wir müssen schnellstens dieses Land verlassen. Der Funkkontakt zu den Flugzeugen der Organisation ist abgebrochen. Ob sie wohl wissen, daß wir noch in Mauretanien sind?

 

 

18. Januar 02:00 Uhr nachts

Der LKW ist mit ca. 100 km/h auf einer relativ guten Piste unterwegs. Ich döse in meinem Sitz, denn an schlafen ist nicht zu denken. Plötzlich reißt es mich aus meinem Sitz und ich fliege quer über die Ladefläche des LKW. Anschließend werden wir noch einmal in die Luft geworfen. Dann herrscht Stille. Der Lastwagen steht, Motor und Innenbeleuchtung sind aus. Ich weiß gar nicht, ob es Traum oder Wirklichkeit ist. Der rechte Oberschenkel schmerzt. Die beiden Italiener liegen auf mir. Einer stöhnt vor Schmerzen. Ein Knäuel aus Menschen, Werkzeug und sonstigen Teilen. Die Schulbücher, bestimmt für eine Schule in Dakar, sind im ganzen LKW zerstreut. Passiert ist folgendes: Der Fahrer hatte einen Qued, einen quer zur Piste verlaufenden 4 Meter breiten und 1,20 Meter tiefen Graben, übersehen. Solche Abspülungen entstehen durch starke Regenfälle. Auf dem ausgetrockneten Boden fließt das Wasser an der Oberfläche ab und bildet reißende Bäche und Flüsse, welche sich ihren eigenen Weg bauen.

Einer der Italiener hat eine starke Platzwunde am Kopf und ist für kurze Zeit bewußtlos. Beifahrer Danny erleidet Rippenprellungen und mich schmerzen der rechte Oberschenkel und der kleiner Finger. In Anbetracht der Situation bin ich jedoch froh, daß ich überhaupt noch am Leben bin. Weitaus schlimmer als unsere Verletzungen ist der Schaden am Fahrzeug. Die Frontpartie ist trotz Schutzplatte eingedrückt und durch ein großes Loch in der Ölwanne rinnt das Öl heraus. Der Italiener "Di Mario" erweist sich als Mann der Stunde. In Kanistern fängt er das Öl auf und mit einem Spezialkleber repariert er das Leck.

Um 10:00 Uhr können wir unsere Abenteuerreise durch Mauretanien fortsetzen. Doch nach weiteren 80 km müssen wir den LKW endgültig abstellen. Die Ölpumpe ist geplatzt.  Nach einer weiteren Nacht gelingt es uns mit Hilfe der Polizeistation ein Buschtaxi zu organisieren.  1000.- DM ist der Preis für die 70 km lange Strecke bis nach Selibabi nahe der Grenze zu Senegal. Diese Grenze ist jedoch seit Wochen gesperrt. Somit bleibt nur die Möglichkeit über Mali nach Senegal, und somit nach Dakar zu gelangen.  Bei der Polizei versuchen wir Kontakt mit der TSO-Organisation in Dakar aufzunehmen. Dies ist nur über Funk möglich, denn ein Telefon gibt es nicht. Doch es ist kein Durchkommen.

Ein französischer Entwicklungshelfer in Selibabi besorgt uns einen Landrover, der uns noch in der Nacht nach Mali bringt. Daß wir nachts die gebrochene Kardanwelle mehr als 3 Stunden lang reparieren, kann uns in dieser Situation kaum noch belasten.

Die Grenze nach Senegal überschreiten wir zu Fuß, begleitet von einem Eseltaxi, der das Gepäck transportiert. Nach stundenlangem Warten auf der Polizeistation bringen uns zwei weitere Taxis über eine abenteuerliche Piste nach Tambacunda und dann nach Dakar.

 

Endlich in Dakar. Endlich eine Badewanne. Es ist der 20. Januar 1991, 23:00 Uhr. Die Rallye ist seit mehr als 3 Tagen zu Ende und meine Irrfahrt hat nun 7 Tage gedauert. Doch ich bin glücklich wie selten zuvor, und ich kann mich nicht erinnern, daß ich je besser und vor allem bewußter gegessen habe als in dieser Nacht im Hotel Continental. 2 Tage später bin ich endlich wieder zu Hause bei meiner Familie.
Das Abenteuer Paris-Dakar ist beendet.

 

Am 23.12.91 ist wieder Start in Paris. Doch diesmal heißt es nicht Paris-Dakar sondern Paris-Kapstadt. 13000 km sind zu bewältigen.  Jetzt kommt sie, die Antwort auf die Frage, ob ich wieder dabei bin.
 Die Antwort heißt: "Nein !! (Leider)".

                                                                                  Norbert Schilcher


"Als ich durch die Wüste mit dem Tode um die Wette lief, habe ich wieder einmal eine Wahrheit gestreift, die so schwer zu verstehen ist. Ich habe mich verloren geglaubt, war in den Abgrund der Verzweiflung gestürzt, doch nachdem ich zum Verzicht bereit war, fand ich den Frieden."

                                                                                  Antoine de Saint-Exupéry